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Lange hatten wir überlegt ob
die uns zugetragenen Gerüchte über das legendäre Bierfest
in Oberaudorf wirklich den Tatsachen entsprechen. Von Schnapsmarketenderinnen
die man wie Fische zum Tisch “angeln“ kann, Tischreihen die
dazu einladen das gesamte Zelt von der Bühne zum Eingang zu durchsteigen,
feiernde Menschen auf den Bänken und das Ganze schon um 23 Uhr zu
Ende.
Kurzum, mit einer Planungszeit von mehreren Jahren gelang es dem Organisationskomitee
um unseren Hauptmann eine stattliche Auswahl von 9 Gardisten und 2 Marketenderinnen
dazu zu bringen dem süddeutschen Konsulat der Prinzengarde und unserer
Marketenderin Sonja und ihrem Stefan einen Besuch abzustatten.
Nach einigem Hickhack und Schiebereien (ei dann fahr du doch da mit und
dann könne mir hier mitfahren…) ging es für einen Teil
der Delegation am Freitagmorgen um 5 Uhr los auf die Autobahn in Richtung
Süden. Nach einer kurzen Rast auf einem Autohof mit einer “ich
muss mal Öl tanken“ Einlage unseres Feldwebels und einem Tankstop
in Österreich “was iss der Sprit hier so billig“ waren
wir kurz nach 10 Uhr an unserem ersten Ziel angelangt. Bei Peter Bernhard
in Oberaudorf ging es zunächst zum Frühschoppen mit Dunklem,
Weißbier und Weißwürsten. Hier erwarteten wir auch unsren
Gardisten Fürst der wegen eines geschäftlichen Termins von unterwegs
zu uns stieß.
Um die Mittagszeit ging es dann weiter zum Wagnerhof der für die
kommenden Tage unser Zuhause sein sollte. Jetzt hieß es Quartier
beziehen und das Hauen und Stechen um die schönsten Zeltplätze
begann. Zum Glück ging alles relativ glimpflich ab und nachdem die
Schlafgemächer bereitet, rosa Franzl besichtigt und die Waschküche
mit Dusche ausgestattet waren ging es zum gemütlichen Beisammensein
mit Radler und Johnny Auer. Im Laufe des Nachmittages komplettierte dann
auch noch unser Ehrengardist die feuchtfröhliche Runde.
Nach einigen Leerungen war es Zeit für eine kleine Erfrischung und
so gingen wir mit Sonja an den nahe gelegenen Auerbach, einen kleinen
aber feinen und verdammt kalten Bergbach zur Abkühlung. Ausnahmslos
alle stürzten sich in die kalten und stellenweise sehr tiefen Fluten,
auch ungeachtet der Tatsache dass ja die Brille noch auf dem Kopf saß.
Beim Auftauchen war sie jedenfalls nicht mehr da und so wurden einige
Tauchaktionen gestartet und die Brille nebst einer Flasche Bier letztendlich
doch wieder gefunden. Unbestätigten Aussagen zufolge soll auch der
weiße Hai gesichtet worden sein.
Nach der Rückkehr und dem Akkordduschen ging es nun ins Bierzelt
zum ersten Einsatz. Auch wenn einige Mitstreiter schon ein wenig Schlagseite
hatten ging es nach dem Essen von Hendl und Steckerlfisch munter drauf
los und schon bald befanden sich fast alle Mitglieder der Garde mit einem
Maß Bier auf den Bänken um mit dem Rest vom Zelt so richtig
abzufeiern. Nach einer scheinbar nicht enden wollenden Party hieß
es dann Antreten vor dem Zelt zum gemeinsamen Aufbruch. Zwischenzeitlich
wurde einer der Kameraden als vermisst gemeldet, dies stellte sich aber
im Nachhinein als falscher Alarm heraus. Gardisten fanden ihn beim nächtlichen
Schaufensterbummel, leider war er dabei eingeschlafen und konnte sich
nicht mehr den schönen Trachten ergötzen.
Trotz der Tatsache dass der Tag und Abend bis hierher schon sehr anstrengend
und kräftezehrend verlief ließen es sich einige Teilnehmer
nicht nehmen in der nahe gelegenen Diskothek einen “3. Aufguss“
mit Lemon Geschmack zu erleben.
Der Samstagmorgen begann mit einem lauten “Scheiße, Scheiße“
unseres Ehrengardisten Walter. Auf unerklärliche Weise war der Bügel
an seiner Brille abgebrochen und eine Ersatzbrille wie immer in solchen
Fällen nicht vor Ort. Jetzt hieß es den Einfallsreichtum unseres
Doktors nutzen und in einer kurzen Reparaturaktion am Nachmittag wurde
die Brille notdürftig wieder repariert sodass unser Kamerad nicht
den ganzen Tag und vor allem Abend mit Sonnenbrille ausgestattet wie ein
Maulwurf durchs Zelt stiefeln musste.
Zunächst ging es aber, nach dem sich alle mehr oder weniger fit und
schnell und in den verschiedensten Stellungen aus dem Zelt gequält
hatten, mit dem Sessellift den Berg hinauf. Oben angekommen wartete noch
ein etwa 30 minütiger Fußweg und ca. 350 Höhenmeter zur
Ramsauer Alm auf uns. Dieser Weg sollte noch in die Geschichte der Garde
eingehen, denn wer konnte schon ahnen dass es zu einer Alm bergauf geht
und der zu bewältigende Höhenunterschied in der angegebenen
Zeit doch recht eben verlaufen würde. So kam es das sich eine unserer
Marketenderinnen wegen ihrer Meckereien ob des Weges mit dem Titel “Almenzicke“
im Garde-ABC verewigen durfte.
Oben angekommen genossen wir die etwas getrübte Aussicht bei freiem
Oberkörper, herrlichem Sonnenschein und einiger Radlern.
Nach einem mehrstündigen Aufenthalt und einem kurzen Plausch mit
dem Hüttenwirt über den berühmt-berüchtigten Bad Camberger
Oberaudorf Touristen Maxl ging es über die Bergstation und einer
weiteren Radlerpause in Gesellschaft eines Gesangsvereines aus der Pfalz
zur Mittelstation, wo die Sommerrodelbahn mit einer Abfahrt ins Tal wartete.
“So wenig wie möglich bremsen“ hatte uns Stefan noch
als Tipp mit auf den Weg gegeben. Walter hat dies wohl nicht wirklich
ernst genommen denn nach einer rasanten Abfahrt aller übrigen Gardisten
warteten wir geschlagene 5 min. auf unseren Ehrengardisten, der bei seiner
Ankunft in Schrittgeschwindigkeit weitere 10 teils verärgerte Rodler
wie an einer Perlenkette aufgefädelt hinter sich her zu Tale geleitete.
Der Begriff Alpenbremser blieb jedem Teilnehmer nun wenigstens für
den Rest des Tages geläufig.
Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem weiteren Akkordduschen (wir
hatten das ja mittlerweile voll drauf), ging es wiederum ins Bierzelt.
Diesmal wurden wir von unserem Gardisten Frank verstärkt der eigens
zu Taxidiensten nach Oberaudorf geeilt war und sich noch ein paar Stunden
im Zelt gönnte bevor es wieder in die Heimat ging.
Einem größeren Chaos mit der Forelle am Stock folgte dann ein
eher beschaulicher Abschnitt mit einigen Bieren. Doch dieser Zustand sollte
nicht lange so bleiben, denn unser Hauptmann wurde auf die Bühne
gebeten und hatte die ehrenvolle Aufgabe die Muslbergbuben im restlos
ausverkauften Zelt zu dirigieren. Das wir uns wieder auf Bänke (und
Tische) begaben war doch wohl klar. Ab sofort wurde wieder heftig gerockt
bis die Musik gegen Mitternacht aufhörte zu spielen.
Einer kleinen Bierrunde in Sonjas und Stefans Garten schloss sich eine
schnelle Bettruhe an da der Andrang am Eingang der Diskothek so groß
war das selbst unser MB kapitulierte.
Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntagmorgen galt es die
Zelte abzuschlagen und ordnungsgemäß im Auto zu verstauen.
Einige Bierrunden sollten es noch werden bis sich auch die “mir
bleibe bis Montag-Männer“ verabschiedeten um rund 7 Std. und
einige Verkehrsstaus später wieder in Bad Camberg anzukommen.
S.K.
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