Bierfest Oberaudorf 2004

Lange hatten wir überlegt ob die uns zugetragenen Gerüchte über das legendäre Bierfest in Oberaudorf wirklich den Tatsachen entsprechen. Von Schnapsmarketenderinnen die man wie Fische zum Tisch “angeln“ kann, Tischreihen die dazu einladen das gesamte Zelt von der Bühne zum Eingang zu durchsteigen, feiernde Menschen auf den Bänken und das Ganze schon um 23 Uhr zu Ende.
Kurzum, mit einer Planungszeit von mehreren Jahren gelang es dem Organisationskomitee um unseren Hauptmann eine stattliche Auswahl von 9 Gardisten und 2 Marketenderinnen dazu zu bringen dem süddeutschen Konsulat der Prinzengarde und unserer Marketenderin Sonja und ihrem Stefan einen Besuch abzustatten.
Nach einigem Hickhack und Schiebereien (ei dann fahr du doch da mit und dann könne mir hier mitfahren…) ging es für einen Teil der Delegation am Freitagmorgen um 5 Uhr los auf die Autobahn in Richtung Süden. Nach einer kurzen Rast auf einem Autohof mit einer “ich muss mal Öl tanken“ Einlage unseres Feldwebels und einem Tankstop in Österreich “was iss der Sprit hier so billig“ waren wir kurz nach 10 Uhr an unserem ersten Ziel angelangt. Bei Peter Bernhard in Oberaudorf ging es zunächst zum Frühschoppen mit Dunklem, Weißbier und Weißwürsten. Hier erwarteten wir auch unsren Gardisten Fürst der wegen eines geschäftlichen Termins von unterwegs zu uns stieß.
Um die Mittagszeit ging es dann weiter zum Wagnerhof der für die kommenden Tage unser Zuhause sein sollte. Jetzt hieß es Quartier beziehen und das Hauen und Stechen um die schönsten Zeltplätze begann. Zum Glück ging alles relativ glimpflich ab und nachdem die Schlafgemächer bereitet, rosa Franzl besichtigt und die Waschküche mit Dusche ausgestattet waren ging es zum gemütlichen Beisammensein mit Radler und Johnny Auer. Im Laufe des Nachmittages komplettierte dann auch noch unser Ehrengardist die feuchtfröhliche Runde.
Nach einigen Leerungen war es Zeit für eine kleine Erfrischung und so gingen wir mit Sonja an den nahe gelegenen Auerbach, einen kleinen aber feinen und verdammt kalten Bergbach zur Abkühlung. Ausnahmslos alle stürzten sich in die kalten und stellenweise sehr tiefen Fluten, auch ungeachtet der Tatsache dass ja die Brille noch auf dem Kopf saß. Beim Auftauchen war sie jedenfalls nicht mehr da und so wurden einige Tauchaktionen gestartet und die Brille nebst einer Flasche Bier letztendlich doch wieder gefunden. Unbestätigten Aussagen zufolge soll auch der weiße Hai gesichtet worden sein.
Nach der Rückkehr und dem Akkordduschen ging es nun ins Bierzelt zum ersten Einsatz. Auch wenn einige Mitstreiter schon ein wenig Schlagseite hatten ging es nach dem Essen von Hendl und Steckerlfisch munter drauf los und schon bald befanden sich fast alle Mitglieder der Garde mit einem Maß Bier auf den Bänken um mit dem Rest vom Zelt so richtig abzufeiern. Nach einer scheinbar nicht enden wollenden Party hieß es dann Antreten vor dem Zelt zum gemeinsamen Aufbruch. Zwischenzeitlich wurde einer der Kameraden als vermisst gemeldet, dies stellte sich aber im Nachhinein als falscher Alarm heraus. Gardisten fanden ihn beim nächtlichen Schaufensterbummel, leider war er dabei eingeschlafen und konnte sich nicht mehr den schönen Trachten ergötzen.
Trotz der Tatsache dass der Tag und Abend bis hierher schon sehr anstrengend und kräftezehrend verlief ließen es sich einige Teilnehmer nicht nehmen in der nahe gelegenen Diskothek einen “3. Aufguss“ mit Lemon Geschmack zu erleben.

Der Samstagmorgen begann mit einem lauten “Scheiße, Scheiße“ unseres Ehrengardisten Walter. Auf unerklärliche Weise war der Bügel an seiner Brille abgebrochen und eine Ersatzbrille wie immer in solchen Fällen nicht vor Ort. Jetzt hieß es den Einfallsreichtum unseres Doktors nutzen und in einer kurzen Reparaturaktion am Nachmittag wurde die Brille notdürftig wieder repariert sodass unser Kamerad nicht den ganzen Tag und vor allem Abend mit Sonnenbrille ausgestattet wie ein Maulwurf durchs Zelt stiefeln musste.
Zunächst ging es aber, nach dem sich alle mehr oder weniger fit und schnell und in den verschiedensten Stellungen aus dem Zelt gequält hatten, mit dem Sessellift den Berg hinauf. Oben angekommen wartete noch ein etwa 30 minütiger Fußweg und ca. 350 Höhenmeter zur Ramsauer Alm auf uns. Dieser Weg sollte noch in die Geschichte der Garde eingehen, denn wer konnte schon ahnen dass es zu einer Alm bergauf geht und der zu bewältigende Höhenunterschied in der angegebenen Zeit doch recht eben verlaufen würde. So kam es das sich eine unserer Marketenderinnen wegen ihrer Meckereien ob des Weges mit dem Titel “Almenzicke“ im Garde-ABC verewigen durfte.
Oben angekommen genossen wir die etwas getrübte Aussicht bei freiem Oberkörper, herrlichem Sonnenschein und einiger Radlern.
Nach einem mehrstündigen Aufenthalt und einem kurzen Plausch mit dem Hüttenwirt über den berühmt-berüchtigten Bad Camberger Oberaudorf Touristen Maxl ging es über die Bergstation und einer weiteren Radlerpause in Gesellschaft eines Gesangsvereines aus der Pfalz zur Mittelstation, wo die Sommerrodelbahn mit einer Abfahrt ins Tal wartete.
“So wenig wie möglich bremsen“ hatte uns Stefan noch als Tipp mit auf den Weg gegeben. Walter hat dies wohl nicht wirklich ernst genommen denn nach einer rasanten Abfahrt aller übrigen Gardisten warteten wir geschlagene 5 min. auf unseren Ehrengardisten, der bei seiner Ankunft in Schrittgeschwindigkeit weitere 10 teils verärgerte Rodler wie an einer Perlenkette aufgefädelt hinter sich her zu Tale geleitete. Der Begriff Alpenbremser blieb jedem Teilnehmer nun wenigstens für den Rest des Tages geläufig.
Nach einer kurzen Verschnaufpause und einem weiteren Akkordduschen (wir hatten das ja mittlerweile voll drauf), ging es wiederum ins Bierzelt. Diesmal wurden wir von unserem Gardisten Frank verstärkt der eigens zu Taxidiensten nach Oberaudorf geeilt war und sich noch ein paar Stunden im Zelt gönnte bevor es wieder in die Heimat ging.
Einem größeren Chaos mit der Forelle am Stock folgte dann ein eher beschaulicher Abschnitt mit einigen Bieren. Doch dieser Zustand sollte nicht lange so bleiben, denn unser Hauptmann wurde auf die Bühne gebeten und hatte die ehrenvolle Aufgabe die Muslbergbuben im restlos ausverkauften Zelt zu dirigieren. Das wir uns wieder auf Bänke (und Tische) begaben war doch wohl klar. Ab sofort wurde wieder heftig gerockt bis die Musik gegen Mitternacht aufhörte zu spielen.
Einer kleinen Bierrunde in Sonjas und Stefans Garten schloss sich eine schnelle Bettruhe an da der Andrang am Eingang der Diskothek so groß war das selbst unser MB kapitulierte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück am Sonntagmorgen galt es die Zelte abzuschlagen und ordnungsgemäß im Auto zu verstauen. Einige Bierrunden sollten es noch werden bis sich auch die “mir bleibe bis Montag-Männer“ verabschiedeten um rund 7 Std. und einige Verkehrsstaus später wieder in Bad Camberg anzukommen.

S.K.

 

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