Handkarrenumzug

Ende letzten Jahres stand fest, dass das Programm der kleinen Fassenacht überarbeitet wird und in der diesjährigen Kampagne ein Handkarrenumzug stattfinden solle. Hierbei darf die Prinzengarde natürlich nicht fehlen dachten wir uns und so begab es sich, dass in aller Herrgottsfrühe des diesjährigen Sonntages vereinzelt, sichtlich übermüdete Gardisten auf dem Weg zum Marktplatz gesichtet wurden. Der Befehl des Hauptmanns der erst nach mehreren Anläufen ordnungsgemäß in die Postfächer seiner Getreuen flatterte lautete: “Antreten in voller Ausrüstung pünktlich 9.30 Uhr“.
Mit der Pünktlichkeit nahmen es einige nicht ganz genau nachdem sie erst wenige Augenblicke zuvor vom nächtlichen Manöver im unterjährigen Wachlokal der Garde heimkehrten. Nachdem wir dann den verspäteten und nicht ganz richtigen Antrittsbefehl unseres Feldwebels entgegengenommen hatten und unseren Hauptmann mit einem lauten und unkoordinierten “Guten Morgen“ begrüßten und damit vermutlich den Unmut sämtlicher Nachbarn auf uns zogen, hieß es “Schnaps fassen“ und die Lebensgeister wecken. Allem Anschein bewirkte dieser bei einigen allerdings genau das Gegenteil, so dass bei jedem Anzählen vom “Gewehr ab“ div. Gewehrkolben nacheinander das liebevoll gelegte Pflaster trafen und man meinte es komme eine Reiterstaffel die Strackgass` enoff.
Ähnliches konnte man auch während der Marschübung durch die halbe Altstadt (Schleifer) verfolgen.
Eine gewisse Verunsicherung in der 1.Gruppe, die sich wie ein roter Faden durch den gesamten Tagesablauf ziehen sollte, machte sich breit. Ob dies mit dem verspäteten Antreten von Gardist “falscher Hund“ Stephan D. zu tun hatte bleibt bis heute ungeklärt.
Nun ging es auf direktem Wege zum Frühstück mit Weck, Worscht und Äppler.
Arsch Fürst zog es vor sich direkt das ein oder andere Bier zu genehmigen und unser Gardist aus dem südeuropäischen Exil ließ eigens für sich und seinen engsten Kameraden alkoholfreies Bier für Österreich servieren.
Nach einer gewissen Phase des Sammelns und Aufwärmens stand das Highlight im Leben eines Gardisten für unsere Anwärter Tobi und Flecksi an. Mit dem eigens für diesen Anlass angeschafften Trichter empfingen sie 2 Flaschen herrlich schäumendes Bier und wurden nach erfolgreichem Absolvieren dieser Prüfung und unter ungläubigen Blicken der weiblichen Angestellten zu “Gardist Arsch“ ernannt.
Im weiteren Verlauf des Geschehens kam es noch zu einem unerwarteten Zwischenfall. Der hess. Finanzminister Karlheinz Weimar, ein Mensch wie Du und ich, der einfach nur seinem Bedürfnis nachgehen wollte fand sich in Handschellen gefesselt in der Obhut der Garde wieder. Mit einer angemessenen Ablösesumme wurde er nach kurzen und schmerzlosen Verhandlungen wieder entlassen.
Der nächste Programmpunkt wartete bereits sehnsüchtig auf uns und nach einem kurzen “gruppenweise Angetreten“, was glaube ich nie wirklich richtig verstanden werden wird, ging es schnurstracks zur Zugaufstellung am Papperlapap(pap). Hier empfingen wir unter Einfluss reichlicher Flüssigkeit und Faschingsmusik das Pferd unseres geliebten und hosianaten Majors. Doch hatte sich unser kampagneerprobter Vierbeiner eine Überraschung ausgedacht und seinen kleinen Bruder, der schon so alt ist das er am Stock gehen muss mitgebracht und eigens für den diesjährigen Einsatz vorgesehen.

So ging es nun mit dem Umzug auf direktem Wege in Richtung Altstadt. Durch einen von unerklärlich hohem Bedarf an Flüssigkeitsausscheidungen gezeichneten Zug der im übrigen mehr stockte als alles andere kamen wir für einige Gardisten doch viel zu langsam auf den Marktplatz wo die Massen schon sehnsüchtig und voller Spannung auf den allseits beliebten, oft kopierten und doch nie erreichten Parademarsch der Prinzengarde warteten.
In einer seltenst zu Tage gebrachten Perfektion wurde ein 1A-Parademarsch aufs Pflaster gelegt der in seiner Art wahrscheinlich einzigartig bleiben wird. Nach einer Ehrenrunde durch die Altstadt (wo kein Mensch mehr auf den Strassen stand) ging es dann in den Amthof zur offiziellen Veranstaltung des CVC die sich schnell als ein zünftiger Manöverball erwies. Bei Bier, Äppler und Hardenberger wurde in gewohnter Weise, gekonnter Manier und unter Mithilfe des prinzengardeeigenen DJ`s Helmut “auf geht`s ...“ Arendt gefeiert bis die Wände (und Tische) wackelten. Die Stimmung kochte schnell auf den Höhepunkt und die Garde schien sich plötzlich zu klonen. Nur so ist es zu erklären das sich wildfremde Menschen mit Kappen und Gewehr ausgestattet durch die heiligen Hallen des Amthofes bewegten. Unter den anwesenden kam es zeitweise sogar zum Trikottausch. Im einen oder anderen Fall sind diese Tauschaktionen allerdings nicht ganz ohne Folgen geblieben. Die anfangs angekündigte Konfusion in der 1. Gruppe gipfelte in dem Verlust zweier Gewehre die bis zum Verfassen dieses Berichtes nicht wissentlich wieder in den Händen der Besitzer weilen.
Nachdem die Kondition aller Beteiligten bis kurz vor Mitternacht getestet wurde begab sich eine geschrumpfte Abordnung der Garde noch einmal ins unterjährige Wachlokal um dort mit Fähnrich “MB“ auf seinen Geburtstag anzustoßen und zu feiern. Gerüchten zufolge sollen einige Kameraden noch bei Morgendämmerung durch Camberg huschend gesichtet worden sein.

S.K.

 

 

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