Rosenmontag

“Wir bitten um Vorbereitung von 17 Portionen anständigen Frühstücks“. Mit diesen Worten bestellten wir am Sonntag noch eifrig die Verpflegung für den kommenden Tag. Umso überraschter waren alle Beteiligten als sich zum Antreten um 9.30 Uhr lediglich 6 Gardisten auf dem Marktplatz einfanden. Nach anfänglichem Staunen und einigen kleinen Übungsrunden rund um die Gaas` fanden sich doch noch der ein oder andere Verdächtige im Kreise seiner Lieben wieder. Mit einer dezimierten Abordnung deren Anzahl sich im Verlauf des Tages nie über 13 bewegen sollte, ging es ins Amthofcafe zum angekündigten Frühstück. Dort wartete schon, wie bestellt, eine reichlich gedeckte Tafel und eine freundliche Bedienung mit insgesamt 17 Frühstückseiern auf uns. Die Begeisterung war deutlich aus den Gesichtern der erschöpften und vom Vorabend geschädigten Kameraden zu erkennen. Was letztendlich mit all den Leckereien geschah, ließ sich nicht weiter recherchieren.
Der wie gewohnt für 11.11 Uhr angesetzte Rosenmontagsempfang in der Ratshalle sollte in diesem Jahr nicht stattfinden. Daher lud “der Knaller“ kurzerhand zum eigenen Empfang ins Autohaus und so brachen wir auf um wie gewohnt unpünktlich diesem Höhepunkt der Camberger Fassenacht beizuwohnen. Stimmung und Motivation waren kurz vor dem Siedepunkt und einige Gardisten fanden sich in der Spielecke des Ausstellungsbereiches wieder während andere sich hoch motiviert am Gewehr Halt suchten um sich vor dem Einschlafen zu bewahren. Am Ende wurden wir noch für unser vorbildliches und ruhiges Verhalten gelobt, was aufgrund der gegebenen Umstände doch eher leicht zu erklären war.
Nach Beendigung des Empfanges ging es weiter zur Inventur und Kassenprüfung in den prinzengardeeigenen Dippeladen. Dort wurden wir von Oberfuchs Manfred und seiner lieben Frau mit einem Blech des legendären Flugkuchens “überrascht“. Mittlerweile hatte sich auch unser Noffz. unter die anwesenden Gardisten gemischt, dessen Ausfall am Morgen angesichts der gesamtheitlichen Erschöpfung der Mannschaft allerdings nicht weiter gerügt wurde. Nach erfolgreichem Abschluß der Geschäftstätigkeiten ging es weiter zum Lokal am Emsbach, berühmt und berüchtigt und an diesem Tag auch von jedem gefürchtet, durch den “Stiefel mit der schwarzen Brühe“. Anscheinend ließ allein der Gedanke daran Gardist Marc erschauern, denn nur so war es zu erklären das er auf direktem Wege den Heimweg antrat. Nach einer Stärkung mit diversen Schnitzeln, Steaks und Pizzen war es dann auch soweit, nur das sich im Glas diesmal normales Bier und einige undefinierbare Bröckchen befanden, die die sonst so hartgesottenen Teilnehmer nach etwa ¾ des Inhaltes zur Aufgabe zwangen.
Ob es Teile des anwesenden Elferrates, der Prinz mit Gefolge oder die Zigeuner waren, die Anlass zum Aufbruch gaben war nicht ganz zu klären, trotzdem rief unser Hauptmann ein weiteres Mal zum Aufbruch in das letzte Lokal des Tages: Das “Papperlapap(pap)“.
Schon auf dem Weg gestalteten weitere Auflösungserscheinungen das Bild der montäglichen Abordnung der besten Garde Hessens, denn allein diesem Umstand war es wohl zu verdanken das wir mit “so ruhische Gardiste gabs noch nie“ kritisch beäugt wurden. Doch auch diese provozierenden Ausbrüche konnten dem weiteren Zerfall nicht Einhalt gebieten. So begab es sich das “Hartmann`s Kurt“ kurzerhand mit diversen Uniformteilen ausgestattet wurde und zu dem Lied “alte Kameraden“ einen 1A-Marsch mit`m Adam seiner Ria durch das Lokal auf das Parkett legte. Der Stimmung tat dies aber nur kurz gut, denn schon kurze Zeit später kapitulierte unser Hauptmann und trat nach dem Verzehr einer deftigen Gulaschsuppe sichtlich gezeichnet von den Schlachten des Vortages seinen Heimweg an. Einzig Ehrengardist Walter, sowie die gemeinen Gardisten Fürst und WilleWalle We hielten bis spät in die Nacht die Stellung und wurden zeitweise noch von “MB“ unterstützt der auf dem Heimweg von Mainz allem Anschein nach noch nicht genug hatte. Aufgrund des vorzeitigen Rückzuges des Herrn Hauptmanns waren sich Ehrengardist Walter und Arsch Willi Walle We ihrer sozialen Verantwortung gegenüber Gardist Dr. Fürst durchaus bewusst und lieferten diesen sicher und wohlbehalten vor der Haustür ab. Mit dem langen Heimweg in die Altstadt schloss das wieder so ereignisreiche Kapitel zur diesjährigen Fassenacht der Prinzengarde, dass bekanntlich noch lange nach Aschermittwoch für Gesprächsstoff sorgte. Den Gewehrvergessern sei Dank.

S.K.

 

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