Prinzengarde Bad Camberg
Ein Mythos feiert sich selbst.

Bad Camberger

Prinzengarde



Die Prinzengarde Bad Camberg



Kein Fastnachtsumzug in Bad Camberg wäre ein Fastnachtsumzug ohne die sagenumwoben Prinzengarde. Diese Truppe bestehend aus Gardisten und Marketenderinnen ist nicht nur der Blickfang karnevalistischer Veranstaltungen, sondern auch für das leibliche Wohl unseres Prinzen zuständig.



Aufgeteilt ist die Prinzengarde in mehrere Gruppen. Erst durch die Delegation der in unterschiedlichem Umfang anfallenden Aufgaben an Hauptmann, Feldwebel und Unteroffiziere ist es unserem Major möglich, diesen "Sauhaufen" vorbildlich zu organisieren. Dies ist umso mehr notwendig, da dieser den Tross auf seinem ab und an unruhigen Pferd an vorderster Front anführt und er aufgrund dieser Tatsache natürlich nur schwer das tadellose Benehmen aller Gardisten im rückwärtigen Raum im Auge behalten kann.
Hinter dem berittenen Major folgt direkt unser Hauptmann, meistens allerdings in zu geringem Abstand. Wollen wir hoffen, dass dies nicht irgendwann mal ins Auge geht, denn manches Mal schafft er es erst in letzter Sekunde, unmittelbar vor dem engsten Dunstkreis des Pferdes stillzustehen. (Zitat: "irgendwann renn ich dem Gaul noch mal in den A…"). Er ist die rechte Hand unseres Majors und hat unter normalen Umständen den Rest der Garde stets im Griff.

Auf des Hauptmann´s Fersen folgen die Drei der Gruppe "Fahne". Der Fahnen-Fähnrich (derzeit auch Nachrichtenoffizier in Personalunion) hat so stark mit Fahne und Wind zu kämpfen (zum Glück immer nur an Großkampagnen), dass er im Vergleich zum Rest der Offiziere unbewaffnet ist. Begleitet wird er von zwei flankierenden Mitstreitern.

Als letzter im Bunde der Säbelträger (die Unteroffiziere lassen wir an dieser Stelle mal geflissentlich unter den Tisch fallen) schließt unser Feldwebel den ersten Teil der Garde ab. Er ist im wahrsten Sinne das verlängerte Sprachrohr des Hauptmannes. Obwohl er während des Umzuges manchmal alle Mühe hat die Mannschaft zusammenzuhalten, ist dies in keinem Fall mit seinem - durchaus kräftigen und ausdauerndem - Sprachorgan in Verbindung zu bringen.

Dieser erste Teil der Garde wird von einer Marketenderin betreut. An dieser Stelle sei erwähnt, daß der hierzu unter anderem verwendete "Hardenberger" ein hervorragendes Hilfsmittel ist, nicht nur in diesem Teil der Truppe die trockenen Kehlen zu schmieren sondern generell als ambulante Sofortmassnahme gegen heisere Gardisten angesehen werden kann.

Die Kernmannschaft der Garde, die "normalen" Gardisten, sind der Größe nach in vier Gruppen aufgeteilt. Jede Gruppe, die in der Regel aus sechs Gewehrträgern besteht, wird durch eine Marketenderin und einen Unteroffizier ergänzt. Obwohl Letztere an und für sich mit Führungsaufgaben innerhalb der einzelnen Gruppen ausgelastet sein müssten, kümmern sie sich häufig auch noch persönlich um das Wohl der Marketenderinnen (Man(n) muss ja auch an sich denken), während die Gruppe mit wildem Tingel-Tangel die durch den hastigen Genuss von Hardenberger auftretenden Schwindelgefühle noch verstärkt.

Die 1. Gruppe, unsere Größten, bezeichnet sich selbst als Elitegruppe. Die 2. Gruppe befindet sich folgerichtig zwischen der 1. und der 3. Gruppe, die im Fachjargon auch "Sauhaufen" oder "Schwimmer" genannt wird. Den Grund dafür können wahrscheinlich nur die Betroffenen selbst erklären. Seit der Großfastnacht 2007 ist die Prinzengarde mit der 4. Gruppe, auch Ausbildungskompanie genannt, gewachsen. Zwecks näherer Informationen über die Zusammensetzung der Gruppen und den persönlichen Vorlieben einzelner Gardisten sei auf die Steckbriefe verwiesen.


Die Uniformen und Ränge



Die Prinzengarde unterteilt sich in vier Gruppen mit jeweils sechs Gardisten. Jeder Gruppe steht ein Unteroffizier vor. Als "disziplinarischer Vorgesetzter" führt der Feldwebel ein strenges Regiment und nimmt somit seine Aufgaben gegenüber den vier Gruppen sowie den Unteroffizieren wahr. Für die Fahne der Prinzengarde zeichnen drei Offiziere mit dem Dienstgrad "Fähnrich" verantwortlich. Das bewährte Führungsquartett der gesamten Prinzengarde bilden unser "Herr Hauptmann" der "hochgelobte, hosiannate und weltberühmte Major" sowie Last but not least unser "Ehrengardist" Walter. Den Stolz der Garde bilden unsere Marketenderinnen, die sich rührig um das "flüssige Wohl" der Prinzengarde bemühen.

Die Uniform des einfachen Gardisten besteht aus schwarzen Stiefeln, einer weißen Hose, einer blau-roten Uniformjacke, einem gelben Leibchen , einem weißen Hemd, weißen Handschuhen, einer Mütze und aus Munitionstasche, Seitengewehr und Gewehr.

Die Uniform unserer Marketenderinnen besteht aus schwarzen Stiefeln, einem Rock, einer Jacke, weißen Handschuhen und einem Dreispitzhut. Zusätzlich tragen die Marketenderinnen immer ein ca. 3Liter großes Holzfass, gefüllt mit bestem klaren Schnaps und einem kleinen Schnapsglas mit sich, um durstigen Gardisten etwas Wegzährung zu geben.


Die Geschichte der Prinzengarde



Bericht aus "Cambergs Chronik 1918 - 1945" von Albert Schorn Nachdem am Samstag Hauptmann Josef Göbel I. die Rekruten der Prinzengarde in die Stadt eingeführt und auf dem Marktplatz vereidigt hatte, bezogen sie ihr Quartier. Am Sonntag früh erfolgte der Weckruf, nachmittags 3 1/2 Uhr der Einzug des Prinzen und die Begrüßung des Ministeriums. Danach gingen Truppenschau am Postamt und Parade der Leibgarde vor dem Prinzen vonstatten. Dann folgte der glänzende Prinzenzug unter jubelnder Begeisterung des Volkses durch die Straßen der Stadt. Nachdem der Zug zu Ende war, zog sich die Garde in ihr Hauptquartier zurück. * Der Rosenmontag ist gekommen. Wiederum ertönt der Weckruf. Die Garde zieht auf. Hellklar ist der Himmel, warm wie an einem Sommertage, so recht geeignet zu einem lustigen Faschingstreiben. Die Garde läßt sich ihr fürstliches Frühstück im Hauptquartier neben dem Prinzenpalais gut schmecken. Schon sieht man, wie einzelne "unsichere Elemente" der Wachmannschaft verhaftet, ins Hauptquartier geführt und sofort verurteilt werden. Unter vielen anderen sahen wir auch, wie "Doktor Paul" abgeführt und zu einer Flasche Cocnak für "Magenleidende" verdonnert wurde. * ... Da ertönen um Punkt 14 Uhr die Salutschüsse des Salonbootes, der Kurier sprengt durch die Straßen, er gibt das Zeichen ! Der große Moment ist gekommen. Der Rosenmontagszug hat sich in Bewegung gesetzt. Die Menschen stehen rechts und links in den Straßen wie eine lebende Mauer in sehnsüchtiger Erwartung. * ... Eine stolze Erscheinung folgt: Der Herr Major der Garde in Galauniform, hoch zu Roß; im vollen Bewußtsein seiner hohen Aufgabe. Ihm folgt in sauberer Uniform das närrische Trommlerkorps, dann die Hofkapelle des Prinzen Karneval. Im Takt der Musik marschiert der "Herr Hauptmann" der Garde an uns vorbei. Sein dicker Bauch verrät seine Persönlichkeit; einen besseren konnte seine närrische Hoheit wahrlich nicht wählen ... * ... Immer weiter bewegt sich der große Zug durch die Straßen der Stadt, bis er auf dem Marktplatz angekommen ist, wo sich Gruppe neben Gruppe ringsum aufstellt. Prinz Karneval mit seinem Hofstaat, das Salonboot, das närrische Ministerium, alle hohen Würdenträger haben ihre Plätze eingenommen. Und nun beginnt der große Parademarsch der Garde vor dem Prinzen Karneval unter den Klängen der vereinigten Musikkapellen, schneidig und exakt durchgeführt sowohl seitens der Offiziere als auch der Mannschaften. Sichtlich erfreut, dankt seine Hoheit Prinz Karneval für die überaus große Ehrung. ***